Samstag, 21. Oktober 2017
20.00 Uhr Deutsches Nationaltheater
E-Werk, Maschinensaal
Am Kirschberg 4
99423 Weimar
Eintritt: 18,20 €

MALALAI – die afghanische Jungfrau von Orléans
Internationales Theaterprojekt von Robert Schuster und Julie Paucker

mit Texten von Friedrich Schiller, Jean Anouilh, Bertolt Brecht und Khushal Khan Khattak
Eine Produktion des Deutschen Nationaltheaters Weimar, Kunstfest Weimar (D) und KULA Compagnie mit Azdar Theatre (AFG) in Zusammenarbeit mit dem Schauspielhaus Bochum (D) und dem Theater Chur (CHE)
In deutscher, französischer, persischer und hebräischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Wir leben in einer Zeit, in der viel ins Rutschen gerät in der Welt, in der mehrere Millionen Menschen auf der ganzen Welt eine neue Heimat und neues Glück suchen. Und gerade die wohlhabenden Länder in Europa und Nordamerika haben noch nicht richtig eine Antwort gefunden, wie sie mit diesem Phänomen umgehen sollen. Zugleich stellen wir fest: Deutschland ist seit vielen Jahren ein Einwanderungsland. Es sind völlig neue, zum Teil hybride Kultur- und Lebensformen, auch  Kunstformen entstanden. Und da kann man nicht als Theater daneben stehen und zugucken, sondern da muss man selber herausfinden, wenn Angehörige verschiedener Kulturen einander begegnen – was können die einander zu sagen haben?
(Christian Holtzhauer, Künstlerischer Leiter des Kunstfestes Weimar)

Die Inszenierung wurde zum Kunstfest Weimar am 25. August 2017 uraufgeführt. Dank großer Anstrengungen ist es gelungen, ein weiteres Mal die Produktion im Rahmen der jüdisch-israelischen Kulturtage zu zeigen. Die Legende der Jeanne d’Arc ist in Frankreich ein Nationalmythos. Schiller hat dieser jungen Frau, die für ihre Überzeugung, ihren Glauben und ihr Land kämpft, eines seiner bekanntesten Dramen gewidmet. In Afghanistan erzählt man eine ähnliche Geschichte: Malalai von  Maiwand war Sanitäterin im Unabhängigkeitskrieg gegen die britische Kolonialmacht 1880. Als die Afghanen jede Hoffnung verloren und flohen, löste Malalai ihren Schleier, machte eine Flagge daraus und rannte auf den Feind zu. Die Soldaten  kehrten um und siegten.

Sowohl der afghanische Mythos als auch die französische Legende hatten und haben eine nationenbildende, aber auch eine emanzipatorische Funktion, beide werden von nationalistischen und religiös-fundamentalistischen Kräften  instrumentalisiert. Die mythische und politische Aufladung dieser Geschichten bildet den Ausgangspunkt des mit französischen, afghanischen, deutschen und israelischen Schauspieler*innen mit muslimischem, jüdischem, christlichem oder  atheistischem Hintergrund entwickelten Theaterprojekts. Es setzt dort an, wo „KULA – nach Europa“ 2016 innehalten musste, da den afghanischen Spielern damals die Einreise nach Deutschland verwehrt geblieben war.

(Veranstalter: Deutsches Nationaltheater Weimar)